Hernienzentrum

Hernien

Unter einer Hernie (Bruch) versteht man eine Ausstülpung von Bauchfell mit Vorfall von Gewebe bzw. Eingeweidestrukturen aus der Bauchhöhle nach außen, in die Brusthöhle oder das Becken. Dementsprechend können Hernien am Zwerchfell, an der Bauchwand, im Leistenbereich und selten im Becken oder am Rücken auftreten. Alle Formen von Brüchen, einschließlich Wiederholungsbrüchen, werden von uns operativ versorgt. In der modernen Hernien-Chirurgie werden hierfür häufig synthetische nicht resorbierbare Netze in unterschiedlicher Größe mit oder ohne Beschichtung verwendet. Oft kommen minimal-invasive Techniken zum Einsatz. Wir sind in der Lage alle Arten von Hernien mit dieser Methode zu operieren.

Leistenhernien

Unter Leistenhernien (= Leistenbrüche) versteht man Hernien unmittelbar oberhalb des Leistenbandes, einer Bindegewebsplatte, die einen Teil der Verbindung der Bauchmuskeln mit dem Beckenskelett bildet. An dieser Stelle, dem sog. Leistenkanal tritt normalerweise bei der Frau ein Aufhängeband der Gebärmutter, beim Mann der Samenstrang durch die Bauchdecken.
Der Entstehungsmechanismus (Pathogenese) ist multifaktoriell. Am häufigsten tritt er im Kindesalter auf, verursacht durch den Durchtritt des Hoden durch den Leistenkanal, der sich in der Folge in diesen Fällen nicht ausreichend schließt. Bei Frühgeborenen ist sogar jedes dritte Kind betroffen. Weitere Häufigkeitsgipfel finden sich beim jungen Erwachsenen, vermutlich bedingt durch körperliche Arbeit und Sport, und im höheren Lebensalter durch die Schwächung der kollagenen Fasern des Bindegewebes. Da die Gefahr einer Einklemmung des Bruches (sog. Inkarzeration) immer besteht und es dadurch zu Durchblutungsstörungen des Darmes und des Bauchfells (Netz; Omentum) bis hin zum Absterben (Nekrotisierung) kommt, muss ein Leistenbruch immer operiert werden. Dabei handelt es sich um eine sogenannte elektive Operation, d.h. der Eingriff kann in Ruhe geplant

Was sind die Ursachen von Leistenhernien?
Der Leistenkanal ist eine natürliche Schwachstelle der Bauchwand, bei Männern in viel ausgeprägterem Maße als bei Frauen. Deshalb sind auch Leistenhernien beim Mann viel häufiger. Außerdem besteht vor der Geburt eine Ausstülpung des Bauchfells in den Leistenkanal, beim Mann bis zum Hoden. Diese Ausstülpung bildet sich kurz vor der Geburt zurück. Diese Rückbildung ist nicht immer vollständig, die vorbestehende Ausstülpung bildet dann früher oder später den Bruchsack der Leistenhernie. Andere Formen der Leistenhernie entstehen durch starke wiederholte Druckerhöhungen im Bauchraum, z. B. bei chronischem Husten, häufigem Pressen oder schwerer körperlicher Arbeit.

Welches sind die Symptome einer Leistenhernie?
Das häufigste Symptom einer Leistenhernie ist eine plötzlich auftretende, oft schmerzlose Vorwölbung der Bauchhaut neben dem Schambeinhöcker. Die Vorwölbung ist oft nur im Stehen und beim Pressen vorhanden, im Liegen verschwindet sie spontan. Bei voller Blase und vollem Darm kommen gelegentlich leichte Schmerzen dazu. Viele Patienten berichten über ein Fremdkörpergefühl im Sitzen. Bei länger bestehenden, fortgeschrittenen Hernien kann die Schwellung bis in den Hodensack reichen und von außen durch die Kleidung sichtbar werden. Oft verschwindet in diesem Stadium die Schwellung im Liegen nicht mehr von selbst. Die Patienten müssen die im Bruchsack gefangenen Organe liegend durch langsame Massage wieder in den Bauchraum befördern. Diese Hernien verursachen oft Beschwerden beim Pressen, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen.

Was ist eine "eingeklemmte" Hernie?
Bei der eingeklemmten Hernie lassen sich die im Bruchsack gefangenen Organe - meist handelt es sich um eine Dünndarmschlinge - weder durch den Patienten noch durch den Arzt wieder in den Bauchraum zurückbefördern. Meist bestehen starke Bauchschmerzen, welche einerseits darauf beruhen, dass der in der Bruchpforte eingeklemmte Darm nicht mehr durchgängig ist und andererseits auch dessen Blutversorgung an der gleichen Stelle durch den Druck von außen unterbrochen ist. Die Unterbrechung der Blutversorgung führt innerhalb von Stunden zum Absterben des im Bruchsack gefangenen Darmstücks, deshalb ist in dieser Situation immer eine Notfalloperation erforderlich.

OP-Techniken

Leistenhernie Shouldice
Hier wird das Prinzip des Bruchlückenverschlusses mit körpereigenem Gewebe verfolgt. Über Jahrzehnte die häufigste Operation überhaupt, ausgehend von der sog. Shouldice – Klinik in Kanada. Mit zwei fortlaufenden Nähten wird in insgesamt vier Nahtreihen die Hinterwand des Leistenkanals plastisch verstärkt. Die Ergebnisse sind abhängig von der Größe der Bruchlücke. Bei kleinen Defekten unter 3 cm sind die Ergebnisse mit Rezidivraten von ca. 1,4 Prozent hervorragend. Größere Defekte weisen Rezidivraten von 3,5 - 5 Prozent auf.

Lichtenstein
Die offene Hernienreparation nach Lichtenstein war weltweit das am häufigsten angewandte Verfahren der letzten Jahre. Die Bruchlücke wird im Rahmen einer onlay -Plastik mit einem Kunststoffnetz bedeckt und dadurch verschlossen. Der Eingriff kann mit einem Verschluss der Bruchlücke durch Naht kombiniert werden. Die Ergebnisse sind mit Rezidivraten unter 5 Prozent hervorragend.

TEPP
Bei dieser über eine Video-Endoskopie gesteuerten Operation wird der Defekt in der Bauchdecke mit einem großen Kunststoffnetz verschlossen, ohne die Bauchhöhle zu eröffnen. Diese Operation ist nur in Vollnarkose möglich.

Laparoskopische Operation TAPP
Bei der laparoskopischen Hernienoperation ist die Implantation eines Kunststoff-Netzes notwendig. In Vollnarkose wird während einer Bauchhöhlenspiegelung die Bruchlücke unter dem Bauchfell aufgesucht und mit einem Kunststoff-Netz verschlossen. Prinzipiell ist auch eine beidseitige Operation in einer Sitzung möglich.

Bauchwand- / Narbenhernie

Symptome
Im Bereich einer Narbe an der Bauchwand nach einer Voroperation haben Patienten eine Vorwölbung bemerkt, die sich insbesondere beim Pressen, Husten oder Aufrichten aus liegender Position bemerkbar macht. Im Liegen ist die Vorwölbung meistens nicht so deutlich zu erkennen.

Ursache
Nach einer Operation im Bauchraum wird die Bauchdecke mit ihren verschiedenen Muskel- und Bindegewebsschichten mit Nähten verschlossen, die regelhaft einen dauerhaften Verschluss und eine feste Narbe bewirken sollen. In 10 - 15 Prozent kann es jedoch zu einem Auseinanderweichen der zunächst festen Narbe kommen und durch die hierdurch entstandene Lücke kann sich Bauchinhalt wie Darm oder Fettgewebe aus dem Bauchraum hindurchdrängen. Die Entstehung eines Narbenbruchs wird durch folgende Umstände begünstigt: Alkohol- und Nikotinmissbrauch, akute oder chronische Atemwegserkrankungen, maschinelle Beatmung nach Bauchoperation, Bauchwasser, Bindegewebsschwäche, Darmverschluss, Eiweißmangel, Husten, Nierenfunktionsstörungen, Tumorleiden, Übergewicht, Wundinfekte, Zuckerkrankheit, wiederholte Bauchschnitte, fehlerhafte Wundverschlusstechnik.

Ist eine Operation erforderlich?
Wenn sich der Bruchsackinhalt eingeklemmt hat (selten) und nicht mehr in den Bauchraum zurückzudrängen ist, muss ohne jeden Zeitverzug ist eine Operation durchgeführt werden. Diese Situation äußert sich in schwersten Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen. Vor allem Narbenbrüche mit einer relativ kleinen Bruchlücke neigen zu einer Einklemmung. Da diese Gefahr immer besteht, ist grundsätzlich eine Operation angeraten. Vordringlich notwendig ist eine Operation, wenn die Haut in diesem Bereich sich verändert, dünner wird oder sogar entzündet. Generell gilt wie für alle anderen Weichteilbrüche auch, dass ein derartiger Bauchnarbenbruch sich niemals zurückbildet, sondern im Laufe der Zeit größer wird, sodass vor allem in jüngeren Lebensjahren die Anzeige zur Operation großzügig gestellt werden sollte.

Operationsverfahren
Bei kleinen Brüchen unter 3 cm ist es häufig ausreichend, die auseinandergewichenen Bruchränder überlappend wieder aneinander zu nähen. Verschiedene Untersuchungen haben aber bei diesen und vor allen Dingen bei noch größeren Brüchen gezeigt, dass es häufig in der Folge dann zu erneuten Brüchen kommt. Da hier von einer gestörten Narbenbildung ausgegangen werden muss, ist die alleinige Versorgung des Defektes mit körpereigenem Gewebe nicht erfolgversprechend. Vielmehr kann eine langfristige Stabilität nur durch Verfahren erreicht werden, bei denen die Bruchlücke mit einem Kunststoffnetz überdeckt wird.

Dabei hängt es von einer Reihe von Faktoren ab, in welche Schicht der Bauchwand dann bei der Operation ein Kunststoffnetzes eingepflanzt wird. Zum Teil kann dies erst während der Operation entschieden werden. Um Wiederholungsbrüche sicher zu verhindern, muss das Netz bei großen Brüchen die Bruchpforte in allen Richtungen ca. 5 cm überlappen. Daher sind diese Operationen nur in Vollnarkose oder rückenmarksnaher Narkose durchführbar. Gelegentlich tritt nach der Einlage großer Kunststoffnetze ein Fremdkörpergefühl in der Bauchwand auf. Durch die Verwendung von Netzen hat sich die Rückfallquote erheblich reduzieren lassen. Ob die Operation ambulant oder mit einem kurzen stationären Aufenthalt durchgeführt werden kann, hängt von der Größe des Bruchs, aber noch von einer Reihe weiterer Faktoren ab, die wir mit Ihnen direkt besprechen werden.

Nachbehandlung
Eine Mobilisation für Alltagstätigkeiten erfolgt sofort (An-, Auskleiden, Körperhygiene, Gehen, Spazieren). Spätestens nach Abschluss der Wundheilung (ca. 10 – 14 Tage) ist eine Wiederaufnahme normaler körperlicher Aktivitäten wie Hausarbeit, leichte Gartenarbeit, Fahrrad- und Autofahren möglich. Mit schwerer körperlicher Arbeit kann nach Gefühl ca. 3 - 6 Wochen nach der Operation begonnen werden.


Narbenbruch
Da hier von einer gestörten Narbenbildung ausgegangen werden muss, ist die alleinige Versorgung des Defektes mit körpereigenem Gewebe nicht erfolgversprechend. Vielmehr kann eine langfristige Stabilität nur erreicht werden, wenn die Bauchdecke mit einem Kunststoff-Netz verstärkt wird. Um einen hohen Schutz vor einem Rückfall-Bruch zu erreichen, muss das Netz die alte Narbe in alle Richtungen um mindestens 5 cm überlappen. Als besondere Möglichkeit kann eine kunststofffreie Methode der Eigenhautverpflanzung als Netzersatz gewählt werden. Diese Technik der sogenannten „Kutisplastik“ ist eine anspruchsvolle aber kunststofffreie Methode zum Verschluss der Bauchdecke.
 

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Prof. Dr. med. H. Bernd Reith

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Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie