Diakonie-Kliniken Kassel

 

Die Geschichte unseres Krankenhauses

 
Die Diakonie-Kliniken Kassel sind eine der größten medizinischen Einrichtungen in Nordhessen. Mit drei Standorten - Diakonissen-Krankenhaus , Burgfeld-Krankenhaus und der Frauenklinik Dr. Koch - ist sie eine der modernsten Kliniken Kassels. Jedes Jahr suchen in der größten medizinischen Einrichtung der Diakonie in Nordhessen rund 28.000 Patienten, ambulant wie stationär, Hilfe und Heilung. Rund 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen ihre Kraft in den Dienst am Menschen. Die Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel hält mit 60 Prozent die Mehrheit der Gesellschafteranteile; der christliche Gesundheitskonzern AGAPLESION gemeinnützige Aktiengesellschaft ist mit 40 Prozent beteiligt.

Obwohl schon seit mehr als 125 Jahren am Standort Diakonissen-Krankenhaus und damit seit mehr als einem Jahrhundert ein Begriff, heißen die Einrichtungen erst seit April 2009 „Diakonie-Kliniken Kassel“. Der Name unterstreicht nicht nur die verschiedenen Disziplinen, in denen wir uns einen Namen gemacht haben. Der Name hebt auch hervor, dass moderne Medizin in unserem traditionsreichen Haus als Erfahrung und unsere diakonische Haltung als Zuwendung bei den Patienten ankommt.



 


1864

Gründung des Hessischen Diakonissenhausse in Treysa in einer stillgelegten Papiermühle mit Aufnahme von Kranken und ihrer Pflege durch die ersten Diakonissen.

1883

Das neue Krankenhaus mit Mutterhaus in Wehlheiden bei Kassel jetzt Kassel, Goethestr. 85 wird in Betrieb genommen. Damit wird der Umzug des Diakonissenhauses von Treysa jetzt Schwalmstadt nach Kassel vollzogen.

1908

Die pflegerische Ausbildung in Krankenhaus erhält auf Grund des Krankenpflegergesetzes als erste Ausbildungsstätte in Hessen die staatliche Anerkennung.

Die im Jahre 1847 in Kassel gegründete Stiftung „Zum Kind von Brabant“ geht in seiner Leitung eine Personalunion mit dem Diakonissenhaus ein.
Nachdem es 1987 zur einer Schließung kommen musste, gab es bis 1991 die Kinderabteilung im Krankenhaus des Kurhessischen Diakonissenhauses.

1944

Durch Bombenangriffe wird das Krankenhaus so stark zerstört, dass der Krankenhausbetrieb ausgelagert werden muss.

1946

Das Burgfeld-Krankenhaus, ein ehemaliges Kur- und Erholungsheim in Wilhelmshöhe, wird als neues Krankenhaus eröffnet, da die Krankenhäuser in der Stadt Kassel weitgehend zerstört sind.

1954

Das wieder aufgebaute Diakonissen-Krankenhaus in der Goethestraße kann seinen Betrieb wieder aufnehmen.

1970

Das Bettenhaus entlang des Kirchweges wird als Erweiterungsbau des Diakonissen- Krankenhauses fertig gestellt.

1972

Der Neubau des Burgfeld-Krankenhauses in der Wigandstraße ist fertig gestellt.

2001

Das DGK Diakonie Gesundheitszentrum Kassel entsteht durch die Fusion des Burgfeld-Krankenhauses und des Diakonissen-Krankenhauses.

2002

Der Grundstein für einen Krankenhaus-Neubau an der Goethestraße wird gelegt.

2007

Einweihung des Krankenhaus-Neubaus (1. Bauabschnitt)

2009

Umbenennung des Krankenhauses in Diakonie-Kliniken Kassel gGmbH

2010

Einweihung des nächsten Bauabschnittes für das neue Krankenhaus

2011

Übernahme der Klinik Dr. Koch in der Pfarrstraße in Bettenhausen, die ab dem 1. Januar 2012 zur Frauenklinik Dr. Koch wird. Hier wird Ende 2011 auch die Geburtshilfe und Gynäkologie aus dem Diakonissen-Krankenhaus angesiedelt.

Zur Geschichte der Diakonissen


Frühe Christenheit

Das erste Zeugnis des apostolischen Diakonissenamtes findet sich im Brief des Apostels Paulus an die Christengemeinde in Rom (Röm 16, Vers 1). Darin grüßt der Apostel eine Witwe namens Phöbe. Diese war auf der einen Seite Geschäftsfrau, auf der anderen Seite hatte sie das so genannte Witwenamt inne. Das bedeutete, sie kümmerte sich als Diakonisse wie eine Gemeindeschwester (was heute den Mitarbeiterinnen z.B. einer Diakoniestation entspricht) um alte, kranke und bedürftige Menschen. Das Wort Diakonisse leitet sich vom altgriechischem „diakonein“ ab, was so viel heißt wie dienen. Das weist darauf hin, dass Jesus als „Diakonos“ auch Sklavendienste übernommen hatte, etwa das Waschen der Füße. Jesus diente den Menschen – und das wollten Diakonissen in seiner Nachfolge auch.

2000 Jahre Diakonissen-Amt

Im Lauf der Kirchengeschichte bildeten sich zwei Formen von Diakonissen aus. Zu der dienenden, im sozialen Bereich engagierten Frau kam eine neue Art des Diakonissenamtes dazu: die der liturgischen Schwester. Diese arbeitete mit dem Bischof im gottesdienstlichen Bereich zusammen. Beide Arten von Schwestern wurden vor ihrem Dienst in ihr Amt eingesegnet. Bei der liturgischen Schwester kam ein altkirchliches Weihegebet hinzu. Diakonissen arbeiteten in Gemeinden, verloren aber zunehmend durch neue Strukturen an Einfluss. So institutionalisierte sich etwa die Krankenhilfe im Mittelalter hin zu den klösterlichen Spitälern und Ordensgemeinschaften. Diese übernahmen die Aufgabe der Liebestätigkeit, Armenpflege und Seelsorge.

Ursprung der Mutterhaus-Diakonie

Der Kaiserswerther Pfarrer Theodor Fliedner und seine Frau Friederike entdecken Anfang des 19. Jahrhunderts die Diakonisse neu. Durch die soziale Not vor ihrer Haustür fühlen sie sich zum Handeln verpflichtet. Denn die beginnende Industrialisierung ist gleichzeitig eine riesige Armuts-Maschine, die die Großfamilien zerstört, Arme, Witwen und Waisen produziert und das Elend in den Städten anwachsen lässt. Diese „neuen“ Diakonissen waren im 19. Jahrhundert aber auch Gefahren ausgesetzt: Weil sie nicht verheiratet waren, konnten sie nicht auf den Schutz eines Ehemannes zurückgreifen, was für die nötige Anerkennung in der Gesellschaft gesorgt hätte. Das löste Pfarrer Fliedner, indem er den Frauen die Kleidung der bürgerlichen verheirateten, rheinischen Frau als Tracht gab. Dazu kam, dass die Frauen in Gemeinschaft leben wollten, weil der schwere Dienst auch bei ihnen den Wunsch nährte, nicht damit allein sein zu wollen. Deshalb gründete 1836 Fliedner das erste evangelische Diakonissen-Mutterhaus als deren Lebensort. Damit entsteht zum ersten Mal in der Geschichte ein Mutterhaus evangelischer Prägung. Bislang waren solche Orte nur bei katholischen Schwestern bekannt, etwa den Vinzentinerinnen. Das Ehepaar Fliedner gab der Schwesternschaft eine Ordnung, die ihre Glaubens-, Lebens und Dienstgemeinschaft regelte. Das Mutterhaus war gleichzeitig der Ort der theologischen und beruflichen Bildung.

Es gibt so viele Wege, Diakonisse zu werden, wie es Diakonissen gibt. War es bei der einen die Gemeindeschwester, die besonders beeindruckte, bei einer anderen der Dienst als Krankenpflegeschülerin, der sie „ansteckte“, oder bei der nächsten die Erfahrungen im Konfirmandenunterricht: Sie alle haben in sich das Feuer entzünden lassen, das in Jesu Appell zur Nächstenliebe steckt.

Die meisten Diakonissen haben eine Ausbildung in einem sozial-pflegerischen oder sozialpädagogischen Beruf. Einige haben für das Lehr- oder Pfarramt studiert oder eine Ausbildung in der Hauswirtschaft oder Verwaltung absolviert. Heutzutage ist eine abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung.

Diakonissen im Mutterhaus

der Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel

Die 44 Frauen, die heute als Diakonissen im Mutterhaus oder in den Einrichtungen des Kurhessischen Diakonissenhauses leben, sind Teil der Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus. Im Zusammenleben versuchen sie, den christlichen Auftrag zu verwirklichen, indem sie eine Glaubens-, Lebens-, und Dienstgemeinschaft bilden. Das bedeutet, sie beten miteinander, feiern Gottesdienste, nehmen zusammen die Mahlzeiten ein, kommen zu Festen zusammen und stehen füreinander ein. Die Schwestern fühlen sich durch das um den Hals getragene Kreuz sowie eine gemeinsame Tracht verbunden, zu der auch eine Haube gehört.

Drei der Diakonissen leben als „Diakonissen neuer Form“: Sie sind Teil der Glaubens- und Dienstgemeinschaft, wohnen aber nicht in der Gemeinschaft. Sie nehmen beispielsweise als Religionspädagogin oder als Erzieherin Aufgaben außerhalb des Mutterhauses wahr.

Eine kleine Gruppe von Diakonissen steht noch aktiv im Berufsleben: Zum Beispiel in der Altenarbeit, in der Hauswirtschaft, in der Religionspädagogik oder in der Jugendhilfe. Sie arbeiten als Organistin, Küsterin, Kirchenmusikerin, Sekretärin oder etwa in der Nähstube. Ihr Verdienst sowie die Renteneinnahmen der Diakonissen fließen in die Gemeinschaftskasse. Hieraus werden Lebensunterhalt oder zum Beispiel Kuraufenthalte und Ausflüge bestritten. Über ein monatliches Taschengeld und Feriengeld können sie persönlich verfügen. Viele Aufgaben in der Gemeinschaft werden von Diakonissen ehrenamtlich wahrgenommen. Das Café im Altenheim Salem, der Pfortendienst, Vorlesen in der Kindertagesstätte im Kleinen Holzweg, Kinder- und Frauenarbeit in der Gemeinde oder die Betreuung der „Feierabendschwestern“, also Diakonissen in Rente, sind Beispiele hierfür.

Mit der Einsegnung gehören Diakonissen lebenslang zur Schwesternschaft. Dadurch sind sie auch nach dem Berufsleben über die Versorgungsordnung bis an ihr Lebensende abgesichert. Im Alter wohnen die Schwestern in den Altenhilfeeinrichtungen der Stiftung, vor allem im Haus Salem, im Amalienhaus und auch im Mutterhaus. So weit es ihnen möglich ist, nehmen sie am geistlichen und kulturellen Leben im Mutterhaus teil. Sie stehen als Feierabendschwestern den Jüngeren mit Rat, ihrer Erfahrung oder auch im Gebet zur Seite. Ihre letzte Ruhe finden sie in einem Gemeinschaftsfeld auf dem Wehlheider Friedhof im Westen Kassels.
AUSDRUCK