Diakonie-Kliniken Kassel

 

Aufgaben der Pflege

 
Pflege ist für uns ein eigenständiger Bereich im Gesundheitswesen. Sie umfasst die Förderung von Gesundheit, die Verhütung und Linderung von Krankheit und/oder die Wiederherstellung der Gesundheit, die aktivierende Hilfestellung, Beratung und Begleitung der Patienten und Angehörigen (bei Krankheit, Behinderungen im Alter und Sterben).
Wir verstehen Pflege als kontinuierlichen Beziehungs- und Interaktionsprozess mit dem Patienten, dabei beziehen wir die Angehörigen oder/und andere Bezugspersonen mit ein.

In den Diakonie-Kliniken Kassel arbeiten die Pflegenden in den stationären Bereichen nach dem theoretischen Modell von Nancy Rooper, welche den Pflegeprozess in sechs Schritten beschreibt.
 

1. Der Pflegeprozess

Der Krankenpflegeprozess hat zum Ziel, auf systematische Art und Weise dem Bedürfnis des Patienten nach pflegerischer Betreuung zu entsprechen. Der Prozess besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine Problemlösung, also auf ein Ziel hin gerichtet sind und im Sinne eines Regelkreises einen Rückkopplungseffekt in Form von Beurteilung und Neuanpassung enthalten (Fiechter und Meier).

Das Resultat der Pflege wird am Pflegeziel gemessen: wenn das Ziel erreicht wird, ist der Vorgang abgeschlossen. Kommen aber Abweichungen vor oder treten neue Probleme auf, so beginnt der Prozess von Neuem. Mit der Pflegeplanung wird der eigenständige Stellenwert pflegerischen Handelns in einem therapeutischen Team deutlich.

Wenn ein Patient in unsere Einrichtung eingewiesen und stationär aufgenommen wird, erfolgt nach dem oben beschriebenen Modell eine pflegerische Anamnese und Planung der erforderlichen Maßnahmen.

Liegt zum Beispiel nach einem Schlaganfall eine Lähmung des Armes vor, erhält die Pflegekraft die vorhandene Selbständigkeit in allen anderen Bereichen des täglichen Lebens und unterstützt den Patienten gezielt in der Verbesserung seines betroffen Armes. Dieses wird auch aktivierende Pflege genannt.

Durch die Anwendung des Pflegeprozesses verbunden mit einer nachvollziehbaren Dokumentation des Pflegeverlaufs belegen wir u. a. kontinuierlich unsere Pflegequalität. Im Bereich des klinischen Zentrums für Geriatrie wird die im Regelkreis genannte Informationssammlung sowie die Problem- und Ressourcenerkennung noch durch das Assessment erweitert.
1.1 Pflegeassessment
Komplexes methodisches Verfahren zur Einschätzung des Gesundheitszustandes und der Fähigkeiten eines Patienten durch:

• Einschränkungen, beeinflussende Faktoren, Ressourcen
• Ziele und Grad der Selbstbestimmung

Die Erfassung erfolgt mittels einheitlicher Skalen wie z. B. Barthel-Index und FIM.

Das Assessment erfasst, gliedert und bewertet körperliche, psychische und soziale Komponenten. Die Wechselwirkungen von Krankheiten, Behinderungen und alterssozialen Veränderungen werden herausgearbeitet mit dem Ziel, pflegerische Interventionen zu planen und in ihrem Verlauf zu dokumentieren.


Um eine gute Betreuungsqualität zu erreichen, ist eine genaue Planung des Aufenthaltes notwendig. Dieses geschieht an Hand unserer kontinuierlich aktualisierten klinischen Behandlungspfade und allgemeinen Pflegestandards.

2. Pflegeorganisation

 
Die Patienten brauchen seitens der Pflege einen Ansprechpartner, eine so genannte Bezugspflegekraft. Dieses ermöglichen wir durch die Organisationsform der situativen Bereichs- und Gruppenpflege.

Die neue Organisationsform soll eine am Krankheitsbild und Zustand des Patienten orientierte Pflege ermöglichen, die Aufgabenzuordnung erfolgt durch eine 3jährig examinierte Pflegekraft.
Funktionelle Abläufe werden bei patientenfernen Tätigkeiten angewandt (z. B. Tabletten stellen, Blutentnahmen richten).

Damit wird eine individuelle, den Rahmenbedingungen angepasste Gestaltung der Abläufe auf den einzelnen Stationen umgesetzt.

Die planbaren Pflegeabläufe, wie z. B. das Waschen der Patienten und die Durchführung der Prophylaxen, erfolgen in der Regel. am Tag. Dafür finden im Nachtdienst zeitunabhängige Tätigkeiten, wie z. B. Auffüllarbeiten oder administrative Tätigkeiten statt.
Abb. 1: Bereichs-/Gruppenpflege
 
Im Gegensatz zur Funktionspflege (alle Mitarbeiter sind gleichermaßen für alle Patienten Ansprechpartner) sind die wesentlichen Merkmale der Bereichs- und Gruppenpflege, dass bestimmte Pflegepersonen über einen längeren Zeitraum konstant die Pflege mehrerer Patienten übernehmen und die gesamte Verantwortung tragen, auch für die administrativen Aufgaben der Pflege, sowie über die ihr zugeteilten Pflegeschüler und ungelernten Pflegemitarbeiter.
Diese Zuordnung zwischen Patienten und Pflegepersonen bleibt für die Dauer des gesamten Krankenhausaufenthaltes bestehen. Auf diese Weise findet der Beziehungsaspekt im Pflegeprozess seine besondere Berücksichtigung.

Gute Qualität in der Versorgung kann nur mit zufriedenen Patienten erreicht werden.
Ein verkürzter stationärer Aufenthalt beispielsweise muss nicht zwangsläufig zur Unzufriedenheit von Patienten führen. Vorausgesetzt, die Behandlungsabläufe sind gut koordiniert und der Patient ist informiert, kann eine frühere Entlassung den Bedürfnissen des Patienten entgegenkommen. Gelingt es, Aufenthaltsdauer sinnvoll zu verkürzen, können Patienten, die einer intensiveren Betreuung bedürfen, längere Zeit stationär behandelt werden, ohne dass es zu Qualitätseinbußen kommt.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde bereits in 2001 ein Verfahrensstandard zur Überleitung von Patienten in den nachstationären Bereich von allen am Patienten tätigen Berufsgruppen erarbeitet und verbindlich in der Praxis umgesetzt.

3. Qualitätssicherung in der Pflege

Folgende Maßnahmen werden zur Qualitätssicherung in der Pflege angewandt:
Die Entwicklung, Umsetzung und Aktualisierung der Pflegestandards
Regelmäßige Team- und Fallbesprechungen eine ausreichende Ausstattung mit Pflegehilfsmitteln und deren fachgerechten Einsatz unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und des Umweltschutzes
Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Vorgaben
Freiwilliges Benchmarking zur Erhebung von Kennzahlen in der Dekubitusprophylaxe und -therapie
Erhebung von Kennzahlen in der positiven Fehlerkultur
Aktualisierung des Pflegeleitbildes
Teilnahme an diversen Qualitätszirkeln
 
Die Pflegenden schaffen die Bedingungen für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Pflege und der beruflichen Kompetenzen durch:
kontinuierliche Reflexion der eigenen Tätigkeit
Erweiterung des fachlichen Wissens durch regelmäßige Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen
gezielte Einarbeitung neuer Pflegekräfte und Anleitung der Auszubildenden
 
Die Pflegequalität wird durch die Entwicklung von Qualitätskriterien und deren Überprüfung sichergestellt. Dabei werden u.a. aktuelle Ergebnisse aus der Pflegeforschung einbezogen.

AUSDRUCK