Diakonie-Kliniken Kassel: Ethisches Investment spart 17 Tonnen CO2 und hilft Demenz-Kranken
Als erste Kirchliche Stiftung in Kurhessen-Waldeck investiert „Diakonie in Edermünde“ mit einer Gemeinde in Photovoltaik-Anlage
Auf einer Fläche von 170 Quadratmetern werden die Diakonie-Kliniken Kassel ab Mitte Juni als erstes Kasseler Krankenhaus Sonnenenergie einfangen und ins Kasseler Stromnetz einspeisen. Die Kosten von rund 90.000 Euro werden zu einem Drittel von der evangelischen Kirchengemeinde Grifte-Holzhausen, zu zwei Dritteln von der Stiftung „Diakonie in Edermünde“ getragen. Die gesamte Anlagenleistung der insgesamt 127 Module beträgt 22,86 KW, das ist etwas mehr als ein Prozent zum Beispiel des Gesamt-Energiebedarfs der Komplexeinrichtung des Kurhessischen Diakonissenhauses. Dass eine kirchliche Stiftung ihr Vermögen auf solche Weise und bei einer diakonischen Einrichtung „auf die hohe Kante legt“, ist dabei einmalig in Kurhessen-Waldeck. „Dass wir als Diakonie-Kliniken uns natürlich für umweltgerechte Energien öffnen, passt gut zu unserem Leitbild. Und wir freuen uns besonders, dies Hand in Hand mit einer kirchlichen Stiftung umsetzen zu können“, kommentiert Pfarrer Karl Leonhäuser, Vorsteher des Kurhessischen Diakonissenhauses, die Kooperation.
Ziel und Zweck sei es, so der Pfarrer der Gemeinde Uwe Krause, mit Hilfe der Erlöse in Kooperation mit der Diakoniestation Fulda-Eder im evangelischen Gemeindehaus der Kirchengemeinde eine Demenzbetreuung aufzubauen und dauerhaft zu unterhalten. Die gesetzlich aus dem Stromeinspeisungsgesetz garantierten Erlöse würden 20 Jahre lang zur Verfügung stehen. Ein zinsloses landeskirchliches Darlehen in Höhe von 15.000 Euro sowie das Vermögen der Stiftung müssten wieder erwirtschaftet werden. Die Kirchengemeinde in Grifte, die jetzt als Energieversorgungsunternehmen gilt, hat bereits Erfahrung mit Photovoltaik und betreibt seit 2000 PV- Anlagen auf dem „eigenen“ Dach.
Der Gestattungsvertrag, der die Nutzung des Krankenhausdaches regelt, war bereits am 27. Mai 2009 unterzeichnet worden. Die Stiftung erhofft sich von der Solaranlage einen prognostizierten Ertrag von rund 10.000 Euro pro Jahr. Die Diakonie-Kliniken vermieten das Dach an die Stiftung in Edermünde, die pro erzeugter Kilowattstunde rund 41 Cent ohne Mehrwertsteuer pro KW erhalten. Im Gegenzug werden die Diakonie-Kliniken drei Prozent dieses Einspeisungspreises erhalten. Der Aufbau wird einige Tage in Anspruch nehmen. „Wir sparen nicht nur Energie ein, sondern beteiligen uns an der Wahrung der Schöpfung, in dem wir CO2 einsparen – mehr, als ein Deutscher im Jahr durch seinen Energieverbrauch produziert“, so Klinikgeschäftsführer Karl-Georg Dittmar. Bereits mit der Entscheidung zur Fernwärme-Nutzung hatte das Krankenhaus seinen Willen dokumentiert, als wichtige Größe in Kassel zum Umweltbewusstsein beizutragen – gemäß seines christlichen Anspruches.
Die Diakonie-Kliniken Kassel gemeinnützige GmbH ist die größte medizinische Einrichtung der Diakonie in Nordhessen. Die Klinik, zu der Diakonissen-Krankenhaus und Burgfeld-Krankenhaus gehören, gibt rund 800 Menschen Arbeit, die etwa 11.000 stationäre Patienten und 11.000 ambulante Patienten im Jahr versorgen. Der evangelische Krankenhaus-Verbund Agaplesion gAg und LICHTENAU e.V. sind mit jeweils 20 Prozent beteiligt. Die Diakonie-Kliniken sind Mitglied im Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck.
Hintergrund:
Die PV-Anlagen sind nicht das Einzige, das die Gemeinde auf ihrem "Weg der Schöpfungsverantwortung" realisieren konnten. Beim Ausbau der Gemeinderäume – explizit bei der Sanierung des Altbaus – wurde besonders auf umweltfreundliche, Ressourcen schonende und baubiologisch unbedenkliche Materialien geachtet. Eine Regennutzungsanlage wurde eingebaut.
Die erste PV-Anlage für damals 76.000 D-Mark hat die Kirchengemeinde Grifte Holzhausen bereits zum Erntedankfest 2ooo am 1.Oktober eingeweiht, eine weitere folgte 2004 und schließlich wurden in 2005 die Anlagen ergänzt auf insgesamt ca. 14 kWp. Heizungstechnisch wurde das Gemeindehaus 2004 durch den Einbau eines Erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerks auf den neuesten Stand gebracht. Durch eine Nahwärmeleitung wird das Pfarrhaus durch die entstehende Abwärme im Blockheizkraftwerk mit versorgt. Diese Maßnahme wurde als Pilotprojekt von der Landeskirche mit 50 Prozent bezuschusst, so dass der Kirchengemeinde Kosten von nur ca. 15.000 Euro entstanden, die sich durch den Stromverkauf und andere Erlöse nach etwa 8 Jahren amortisiert haben dürften.
Als die Kirchengemeinde sich auf den Weg machte, den Weg der Schöpfungsverantwortung zu beschreiten, stand nicht die Frage nach interessanter, moderner Technik im Vordergrund. Viel mehr war es der Versuch, ein Zeugnis für Christus abzulegen. Gottes Herrschaft sollte Raum gewinnen. Es begann mit kleinen Schritten: den ersten Energiesparlampen, Benutzen von Recycling-Papier, Entsiegelung der Flächen.
In diesen Jahren sind mehr als 200 000 Euro für umweltrelevante Maßnahmen zusammengekommen.
Es hat sich dabei immer gezeigt, dass am Anfang nicht das Geld, sondern eine Überzeugung da sein musste, die zündende Idee, eine Vision.
(Quelle: Kleine Grifter Kirchengeschichte, 2007)