ÄRZTE IM DIALOG: Wenn einem der Kragen platzt – Schilddrüsenerkrankungen und Therapie

06. Juni 2019

Prof. Dr. med. H. Bernd Reith, Chefarzt Allgemein-, Viszeralchirurgie und Proktologie informiert über Schilddrüsenfunktion, Erkrankungen, Therapie und Operation.

Millionen Deutsche leiden an Krankheiten der Schilddrüse. Neben der Knotenbildung sind die Stoffwechselfehlfunktionen bekannt: bei Überfunktion Gewichtsabnahme, weicher Stuhl, Schlafstörung, Unruhe
bei Unterfunktion Gewichtszunahme, Verstopfung, Müdigkeit, Antriebsminderung, Symptome wie Haarausfall, Depression und Unfruchtbarkeit können bei beiden Formen vorkommen.

Schilddrüsenerkrankungen sind zu einem gewissen Teil auch erblich veranlagt. Wenn in Ihrer Familie zahlreiche Fälle von Fehlfunktionen oder Kröpfen bekannt sind, kann eine Vorsorgeuntersuchung auch ohne akute Symptome sinnvoll sein. Ein Kropf am Hals liefert den am deutlichsten sichtbaren Hinweis auf eine mögliche Schilddrüsenerkrankung, ist aber natürlich nicht bei allen Störungen vorhanden. Die Selbsttastung von Knoten am Hals oder sich verändernden Knoten sind wichtige Hinweise, um zu einer ärztlichen Untersuchung zu gehen.

Die Therapie richtet sich nach der Art der Erkrankung. Grundsätzlich können die meisten Schilddrüsenerkrankungen inzwischen mit einer hohen Erfolgsrate behandelt werden. Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion können zum Beispiel Tabletten mit synthetischem Thyroxin (T4) helfen. Die Schilddrüsenüberfunktion wird normalerweise mit Thyreostatika behandelt. Sie hemmen die Produktion an Schilddrüsenhormonen. Wenn diese Maßnahme nicht ausreicht, kommt auch eine Radiojodtherapie oder ein operativer Eingriff infrage. Die Radiojodtherapie ist für Autonomien (Selbstständige Knoten) eine Alternative zur OP.

Die OP hat als Ziel eine komplette Knotenentfernung durchzuführen und alles krankhafte an der Schilddrüse zu entfernen. Hinzu kommt die Möglichkeit eine exakte Diagnose zu stellen und Gewebe zu untersuchen, um damit sicher eine Bösartigkeit auszuschließen.